Matthias Claudius

Matthias Claudius wurde am 18.August 1740 in Reinfeld bei Lübeck geboren und starb am 21.Januar 1815 in Hamburg.

Seine volksliederhafte Verskunst zeichnete diesen deutschen Dichter aus.

Er arbeitete als Redakteur und Herausgeber („Wandsbecker Bote“).

Glücklich verheiratet war Matthias Claudius mit Rebekka Behn. Das Paar hatte 12 Kinder.

Sein berühmtes „Abendlied“ („Der Mond ist aufgegangen…“) ist eins der schönsten Gedichte deutscher Sprache. Matthias Claudius wollte in einfacher Sprache auch zu den einfachen Menschen sprechen, was ihm in der damaligen Zeit bisweilen Spott einbrachte.  Doch viele Menschen empfinden gerade in seinem „Abendlied“ diese einfache Sprache als poetisch, zu Herzen gehend und berührend.

Die Melodie zu diesem wunderbaren Gedicht komponierte Johann Abraham Peter Schulz (1790). Sie ist die bekannteste, obgleich noch über 70 Komponisten das Gedicht vertont gaben.

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Weihnachtsgedicht - Immer ein Lichtlein mehr  - Matthias Claudius (1740-1815)

Immer ein Lichtlein mehr

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.
Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.
Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!

Der Mond ist aufgegangen

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.
Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold,
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt!
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost verlachen,
weil unsre Augen sie nicht sehen.
Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.
Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß und einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein!
Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!
So legt euch denn ihr Brüder
in Gottes Namen nieder.
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch.

Der Winter ist ein rechter Mann

Der Winter ist ein rechter Mann,
kernfest und auf die Dauer,
sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an
und scheut nicht süß noch sauer.
 
Er zieht sein Hemd im Freien an
und läßt’s vorher nicht wärmen
und spottet über Fluß im Zahn
und Grimmen in Gedärmen.
 
Aus Blumen und aus Vogelsang
weiß er sich nichts zu machen,
haßt warmen Trank und warmen Klang
und alle warmen Sachen.
 
Doch wenn die Füchse bellen sehr,
wenn’s Holz im Ofen knittert,
und um den Ofen Knecht und Herr
die Hände reibt und zittert;
 
Wenn Stein und Bein von Frost zerbricht
und Teich und Seen krachen;
Das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
dann will er tot sich lachen.
 
Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
beim Nordpol an dem Strande,
doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Schweizerlande.
 
Da ist er denn bald dort, bald hier,
gut Regiment zu führen,
und wenn er durchzieht, stehen wir
und sehn ihn an und frieren.