Robert Reinick

Robert Reinick, ein deutscher Maler und Dichter, wurde am 22. Februar 1805 in Danzig geboren und starb am 7. Februar 1852 in Dresden.


Nach dem Abitur studierte er Malerei. Aber wegen eines Augenleidens konnte er die Malerei nicht weiter ausüben und wandte sich deshalb der Literatur zu.

Erste Gedichte erschienen in den 1830er - Jahren in Adalbert Chamissos „Musenalmanach“.

Mehr als 100 Lieder von ihm wurde von bekannten Komponisten vertont, unter anderem von Johannes Brahms und Robert Schuhmann.

Seine Lieder und Gedichte zeichnen sich durch Schlichtheit und Natürlichkeit aus.

Das Gedicht „Vom schlafenden Apfel“ ist ein gelungenes Beispiel seiner schlichten und bildhaften Sprache, die Kindergartenkindern und Schulkindern noch heute Freude macht.

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Wintergedicht - Der Schneemann - Robert Reinick

Der Schneemann

Steh, Schneemann, steh!
Und bist du auch von Schnee,
So bist du doch ein ganzer Mann,
Hast Kopf und Leib und Arme dran,
Und hast ein Kleid, so weiß und rein,
Kein Seidenzeug kann weißer sein:
Du stehst so stolz und fest und breit
Als wär' es für die Ewigkeit.
 
Steh, Schneemann, steh!
Wenn ich dich recht beseh':
So fehlt dir nichts auf weiter Welt
Du hungerst nicht, sorgst nicht um Geld.
Ich glaub' auch, dass dich gar nichts rührt,
Und wenn es Stein und Beine friert;
Der Frost, der andre klappern lässt,
Der macht dich erst recht hart und fest.
 
Steh, Schneemann, steh!
Die Sonne kommt, Juchhe!
Jetzt wirst du erst recht lustig sein!
Was ist denn das? Was fällt dir ein?
Du leckst und triefst ohn' Unterlass,
O Schneemann, Schneemann, was ist das?
Das schöne warme Sonnenlicht,
Der Menschen Lust erträgst du nicht?
 
Weh, Schneemann, weh!
Du bist doch nichts als Schnee!
Dein Kopf war dick, doch nichts darin,
Dein Leib war groß, kein Herz darin,
Und das, was andre fröhlich macht,
Hat dir, du Wicht, nur Leid gebracht.
 
Ich glaub', ich glaub', manch Menschenkind
Ist grade so wie du gesinnt:
Schnee, nichts als Schnee!

Lernlied - Jäger - Text: Robert Reinick (1805 – 1852), Melodie: Ferdinand Hiller (1811 – 1885)

Jäger

Im Wald, im grünen Walde
da geht ein Jäger auf die Jagd
in seiner lust'gen Jägerstracht.
Trala, hallo, trala!
Er bläst das Horn nach Jägersbrauch,
die Häslein springen aus dem Strauch,
und Hund und Jäger hinterdrein.
Ach könnt ich so ein Jäger sein! -
Bin aber leider viel zu klein.
Im Wald, im grünen Walde
da ist's so kühl und frisch und grün,
da sind wohl tausend Hirsche drin.
Trala, hallo, trala!
Die schießt der Jäger, dass es knallt,
von Tal und Bergen widerhallt,
und all die Hirsche, die sind sein;
ich aber darf nicht mit hinein,
ich bin noch viel, noch viel zu klein.
Im Garten, ja, im Garten,
da jag' und spring' ich frei umher,
als ob ich schon ein Jäger wär'.
Trala, hallo, trala!
Und was von Kindern kommt herein,
die müssen Hirsch und Hasen sein.
Doch bin ich groß und nicht mehr klein,
dann lass ich Garten Garten sein
und jage in den Wald hinein!

Wintergedicht - Der Schneemann auf der Straße - Robert Reinick

Der Schneemann auf der Straße

Der Schneemann auf der Straße
trägt einen weißen Rock,
hat eine rote Nase
und einen dicken Stock.

Er rührt sich nicht vom Flecke,
auch wenn es stürmt und schneit.
Stumm steht er in der Ecke
zur kalten Winterszeit.

Doch tropft es von den Dächern
im ersten Sonnenschein,
da fängt er an zu laufen,
und niemand holt ihn ein.

Frühlingsgedicht - Großes Geheimnis - Volksgut

Großes Geheimnis

Es sitzt ein Knab am Bach
und sieht den Wellen nach.
Sie sprudeln und sie rauschen.
Er denkt: "Ich muss doch lauschen,
was all die Wellen plaudern!"
Und's Knäblein ohne Zaudern,
es bückt sich zu den Quellchen,
da kommt ganz fix ein Wellchen
gesprudelt und gerauscht -
was hat es da gelauscht!
 
Doch kann es nichts verstehen,
und eh es sich's versehen,
bückt es sich tiefer hin -
und liegt im Wasser drin.
Zum Glücke war der Bach
ganz hell und klar und flach,
schnell sprang der Knab heraus
und sah ganz lustig aus.
 
Und als ich ihn gefragt,
was ihm der Bach gesagt,
sprach er nach kurzem Zaudern:
"Ihr dürft es keinem plaudern!
Ein groß' Geheimnis ist,
was er mir sagte, wisst!
Er sagte, wisst ihr, was?
Das Wasser, das macht nass!

Weihnachtsgedicht - Christkind - Robert Reinick (1805-1852)

Christkind

Die Nacht vor dem Heiligen Abend,
da liegen die Kinder im Traum;
sie träumen von schönen Sachen
und von dem Weihnachtsbaum.
Und während sie schlafen und träumen,
wird es am Himmel klar,
und durch den Himmel fliegen
drei Engel wunderbar.
Sie tragen ein holdes Kindlein,
das ist der Heil’ge Christ;
es ist so fromm und freundlich,
wie keins auf Erden ist.
Und wie es durch den Himmel
still über die Häuser fliegt,
schaut es in jedes Bettchen,
wo nur ein Kindlein liegt,
und freut sich über alle,
die fromm und freundlich sind;
denn solche liebt von Herzen
das liebe Himmelskind.
Wird sie auch reich bedenken
mit Lust aufs allerbest’
und wird sie schön beschenken
zum lieben Weihnachtsfest.
Heut schlafen noch die Kinder
und sehn es nur im Traum,
doch morgen tanzen und springen
sie um den Weihnachtsbaum.

Herbstgedicht - Vom schlafenden Apfel - Robert Reinick (1805-1852)

Vom schlafenden Apfel

Im Baum im grünen Bettchen
hoch oben sich ein Apfel wiegt,
der hat so rote Bäckchen,
man sieht's, dass er im Schlafe liegt.
Ein Kind steht unterm Baume,
das schaut und schaut und ruft hinauf:
„Ach Apfel, komm herunter!
Hör endlich mit dem Schlafen auf!"
Es hat ihn so gebeten,
glaubt ihr, er wäre aufgewacht?
Er rührt sich nicht im Bette,
sieht aus, als ob im Schlaf er lacht.
Da kommt die liebe Sonne
am Himmel hoch daherspaziert.
„Ach Sonne, liebe Sonne,
mach du, dass sich der Apfel rührt!"
Die Sonne spricht: „Warum nicht?"
Und wirft ihm Strahlen ins Gesicht,
küsst ihn dazu so freundlich,
der Apfel aber rührt sich nicht.
Nun schau, da kommt ein Vogel
und setzt sich auf den Baum hinauf.
„Ei, Vogel du musst singen,
gewiss, gewiss, das weckt ihn auf!"
Der Vogel wetzt den Schnabel
und singt ein Lied so wundernett
und singt aus voller Kehle,
der Apfel rührt sich aber nicht im Bett.
Und wer kam nun gegangen?
Es war der Wind, den kenn ich schon,
der küsst nicht und der singt nicht,
der pfeift aus einem andern Ton.
Er stemmt in beide Seiten
die Arme, bläst die Backen auf
und bläst und bläst, und richtig,
der Apfel wacht erschrocken auf.
Und springt vom Baum herunter
grad in die Schürze von dem Kind,
das hebt ihn auf und freut sich
und ruft: „Ich danke schön, Herr Wind!"