Windige Herbstgedichte entdecken…

Herbstgedicht - Vom schlafenden Apfel - Robert Reinick (1805-1852)
Vom schlafenden Apfel

Im Baum im grünen Bettchen
hoch oben sich ein Apfel wiegt,
der hat so rote Bäckchen,
man sieht's, dass er im Schlafe liegt.
Ein Kind steht unterm Baume,
das schaut und schaut und ruft hinauf:
„Ach Apfel, komm herunter!
Hör endlich mit dem Schlafen auf!"
Es hat ihn so gebeten,
glaubt ihr, er wäre aufgewacht?
Er rührt sich nicht im Bette,
sieht aus, als ob im Schlaf er lacht.
Da kommt die liebe Sonne
am Himmel hoch daherspaziert.
„Ach Sonne, liebe Sonne,
mach du, dass sich der Apfel rührt!"
Die Sonne spricht: „Warum nicht?"
Und wirft ihm Strahlen ins Gesicht,
küsst ihn dazu so freundlich,
der Apfel aber rührt sich nicht.
Nun schau, da kommt ein Vogel
und setzt sich auf den Baum hinauf.
„Ei, Vogel du musst singen,
gewiss, gewiss, das weckt ihn auf!"
Der Vogel wetzt den Schnabel
und singt ein Lied so wundernett
und singt aus voller Kehle,
der Apfel rührt sich aber nicht im Bett.
Und wer kam nun gegangen?
Es war der Wind, den kenn ich schon,
der küsst nicht und der singt nicht,
der pfeift aus einem andern Ton.
Er stemmt in beide Seiten
die Arme, bläst die Backen auf
und bläst und bläst, und richtig,
der Apfel wacht erschrocken auf.
Und springt vom Baum herunter
grad in die Schürze von dem Kind,
das hebt ihn auf und freut sich
und ruft: „Ich danke schön, Herr Wind!"

Herbstgedicht - Herbstlied - Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834)
Herbstlied

Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.
Sieh! Wie hier die Dirne
emsig Pflaum und Birne
in ihr Körbchen legt!
Dort, mit leichten Schritten,
jene leichten Quitten
in den Landhof trägt!
Wie die volle Traube
aus dem Regenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz;
junge Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz.

Herbstgedicht - Herbst - Detlev von Liliencron (1844-1909)
Herbst

Astern blühen schon im Garten,
schwächer trifft der Sonnenpfeil
Blumen, die den Tod erwarten
durch des Frostes Henkerbeil.
Brauner dunkelt längst die Heide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
unbewegt im blauen Duft.
Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.

Herbstgedicht - Im Herbst - Wilhelm Busch
Im Herbst

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.
 
Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.
 
Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Sie ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewußt bestimmte Ziel.
 
Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.

Herbstgedicht - Die Schwalben - Julius Sturm
Die Schwalben

Die Schwalben halten zwitschernd
hoch auf dem Turme Rat;
die Ält'ste spricht bedenklich:
„Der Herbst hat sich genaht.
 
Schon färben sich die Blätter,
die Felder werden leer;
bald tanzt kein einzig Mücklein
im Strahl der Sonne mehr.
 
„Seid ihr zur Reise fertig?"
Die Alten zwitschern: „Ja!"
Die Jungen fragen lustig:
„Wohin?" - „Nach Afrika!"
 
Nun schwirrt es durch die Lüfte,
verlassen ist das Nest;
doch alle hält die Liebe
an ihrer Heimat fest.
 
Wohl ist's viel hundert Meilen
von hier bis Afrika;
doch, kommt der Sommer wieder,
sind auch die Schwalben da.

Herbstgedicht -  Die Vogelscheuche - Regina Schwarz
Die Vogelscheuche

Die Raben rufen: Krah, krah, krah!
Wer steht denn da, wer steht denn da?
 
Wir fürchten uns nicht, wir fürchten uns nicht
Vor dir mit deinem Brillengesicht.
 
Wir wissen ja auch ganz genau,
Du bist nicht Mann, du bist nicht Frau.
 
Du kannst ja nicht zwei Schritte geh'n
Und bleibst bei Wind und Wetter steh'n.
 
Du bist ja nur ein bloßer Stock,
 
Mit Stiefeln, Hosen, Hut und Rock.
Krah, krah, krah!

Herbstgedicht -  Baum im Herbst - Regina Schwarz
Baum im Herbst

Was habt ihr plumpen Tölpel mich gerüttelt,
als ich in seliger Blindheit stand!
 
Nie hat ein Schreck grausamer mich geschüttelt,
– mein Traum, mein goldner Traum entschwand.
 
Nashörner ihr mit Elephanten-Rüsseln,
macht man nicht höflich erst: Klopf! Klopf!
Vor Schrecken warf ich euch die Schüsseln
goldreifer Früchte – an den Kopf.

Kindergedicht -  Herbstbild - Friedrich Hebbel
Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
 
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

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Herbstgedichte für Kinder – und die Welt ist kunterbunt

Lerne ein schönes Gedicht für die Jahreszeit der fliegenden Blätter!

Wenn es draußen langsam kälter wird und die Tage kürzer werden, dann sind manche Menschen traurig, dass der Sommer gegangen ist. Aber das muss gar nicht so sein. Der Herbst hat viele tolle Seiten an sich und zeigt Dir, wie schön bunt er die Blätter der Bäume färben kann. Überall fliegen sie in bunten Farben von gelb über orange bis rot. Viele Dichter haben diese besondere Stimmung in ein Gedicht gepackt und Du kannst nun Dein Lieblings-Herbstgedicht für Kinder lernen. Wähle aus den vielen Kindergedichten über den Herbst auf sprachspielspass.de Deinen Favorit aus und drucke ihn kostenlos aus. Hier geht es zu einem unserer Favoriten Herbstgedicht - Apfelernte.

Kinderlyrik zum Herbst: In Kita und Schule wird fleißig gereimt

Wenn Du ein Kindergedicht über den Herbst lernen willst, dann musst Du das nicht alleine machen. Frage einfach Deine Kindergärtnerin, Deinen Lehrer oder Deine Lehrerin, ob sie mit Dir und Deinen Freunden oder Klassenkameraden ein herbstliches Kindergedicht üben können oder bringe selbst Dein Lieblingsgedicht über den Herbst mit. Zusammen könnt Ihr dann neue Sprüche und Verse rund um die Jahreszeit der bunten Blätter lernen und dabei viele neue Wörter und Reime kennenlernen. Hier eine kleine Auswahl an Kindergedichten, die prima in den Herbst passen: Herbstgedicht - Raschel, Raschel, Herbstgedicht - Septembermorgen, Herbstgedicht - Glück oder auch Herbstgedicht - Der fliegende Robert … entdecke die Vielfalt des Herbstes in Gedichtform!

Gedichte zu anderen Jahreszeiten

Nicht nur über den Herbst gibt es viele schöne Gedichte. Auch der Frühling  mit seinen bunten Blüten, der Sommer mit seinen warmen Tagen und der Winter mit seinem Schneegestöber und der Weihnachtszeit haben viele Dichter inspiriert, die Schönheit der Jahreszeiten einzufangen und in Versen für Kinder niederzuschreiben. Finde jetzt Dein Lieblingsgedicht für jede Zeit im Jahr, entweder direkt hier auf sprachspielspass.de oder in der Monsters Behave-App, in der Du auch viele andere Sprachspiele, Bilderrätsel, Fingerspiele und mehr finden wirst.