Herbsgedicht - Die Vogelscheuche

Herbstgedicht -  Die Vogelscheuche - Regina Schwarz
Christian Morgenstern
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Die Vogelscheuche

Die Raben rufen: Krah, krah, krah!
Wer steht denn da, wer steht denn da?
 
Wir fürchten uns nicht, wir fürchten uns nicht
Vor dir mit deinem Brillengesicht.
 
Wir wissen ja auch ganz genau,
Du bist nicht Mann, du bist nicht Frau.
 
Du kannst ja nicht zwei Schritte geh'n
Und bleibst bei Wind und Wetter steh'n.
 
Du bist ja nur ein bloßer Stock,
 
Mit Stiefeln, Hosen, Hut und Rock.
Krah, krah, krah!

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Kinderreim - Nashornfrage - Regina Schwarz

Nashornfrage

Beim Nashorn sitzt das Nasenhorn
auf Nashorns Nase, und zwar vorn.
Und jetzt die große Nashornfrage?
Nast das Nashorn alle Tage?             

Kinderreim - B - Regina Schwarz

B

Bläser blasen,
Bären brummen,
Blumen blühen,
Bienen summen.
Bücher blättern
nicht für sich.
Bücher brauchen
dafür dich.

Frühlingsgedicht - Frühling - Heinrich Seidel (1842 - 1906)

Frühling

Was rauschet,  was rieselt,  was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!"
Was knospet, was keimet,  was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!"
Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
"Der Frühling, der Frühling!" - Da wusst' ich genug!

Kinderreim - Es war einmal ein Mann - Volksgut

Es war einmal ein Mann

Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm,
Es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem purpurroten Mäntelein.

Das Männlein steht im Walde auf einem Bein
Und hat auf seinem Haupte schwarz Käpplein klein,
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem kleinen schwarzen Käppelein?

(gesprochen)
Das Männlein dort auf einem Bein
Mit seinem roten Mäntelein
Und seinem schwarzen Käppelein
Kann nur die Hagebutte sein.

Kinderreim - Q - Regina Schwarz

Q

Immer kommt das Q
zusammen mit dem u,
denn Q und u, die beiden,
können sich gut leiden.
Sie treffen auf ein alle,
schon werden sie zur Qualle.
Sie treffen das Wort bitte,
das b geht weg, jetzt heißt es Quitte.
Da stehen i und z herum
und sehn sich nach den beiden um.
„Ihr kommt gerade recht.
Ein Quiz zu werden
ist nicht schlecht.“

Wintergedicht - Wenn es Winter wird - Christian Morgenstern

Wenn es Winter wird

Der See hat eine Haut bekommen,
sodass man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.
 
Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher – titscher – titscher – dirr ...
Heissa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen –
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.
 
Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch so sehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.
 
Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehen können und den Stein wiederholen.