Sommergedicht - Ich bin der Juli

Sommergedicht - Ich bin der Juli - Paula Dehmel

Ich bin der Juli

Grüß Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze. 
Ich bin der Juli, spürt ihr die Hitze? 

Kaum weiss ich, was ich noch schaffen soll, 
die Ähren sind zum Bersten voll; 

reif sind die Beeren, die blauen und roten, 
saftig sind Rüben und Bohnen und Schoten. 

So habe ich ziemlich wenig zu tun, 
darf nun ein bisschen im Schatten ruhn. 

Duftender Lindenbaum, 
rausche den Sommertraum! 

Seht ihr die Wolke? Fühlt ihr die Schwüle? 
Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.

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Wen du brauchst

Einen zum Küssen und Augenzubinden,
einen zum lustige-Streiche-erfinden.
Einen zum Regenbogen-suchen-gehn
und einen zum fest-auf-dem-Boden-stehn.
Einen zum Brüllen, zum Leisesein einen,
einen zum Lachen und einen zum Weinen.
Auf jeden Fall einen, der dich mag,
heute und morgen und jeden Tag.

Witziges Kindergedicht von Joachim Ringelnatz | Die Ameisen | Sprachspielspass.de

Die Ameisen

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Wintergedicht - Winternacht - Christian Morgenstern

Winternacht

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum ...
Und es war einmal eine Flocke,
die fiel dazu wie ein Traum.
 
Die fiel dazu wie ein Traum ...
Die sank so leis hernieder
wie ein Stück Engleingefieder
aus dem silbernen Sternenraum.
 
Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum ...
Und dazu fiel eine Flocke,
so leise wie im Traum.
 
So leis als wie ein Traum.
Und als vieltausend gefallen leis,
da war die ganze Erde weiß,
als wie von Engleinflaum.
 
Da war die ganze Erde weiß,
als wie von Engelflaum.

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Ein großes Herz

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Es passt genau ins Zimmer.
Und wenn du magst, gib darauf Acht,
für heute und für immer.

Wintergedicht - Die drei Spatzen - Christian Morgenstern

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

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und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber, da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht,
so warm wie der Hans hat´s niemand nicht.

Sie hör´n alle drei ihrer Herzlein Gepoch,
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

Wintergedicht - Märztag - Detlev von Liliencron (1844-1909)

Märztag

Wolkenschatten fliehen über Felder,
blau umdunstet stehen ferne Wälder.
 
Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,
kommen schreiend an in Wanderzügen.
 
Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,
überall ein erstes Frühlingslärmen.
 
Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder,
kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.
 
Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen,
wollt´ es halten, musst´ es schwimmen lassen.