Altmodische Kindergedichte

Fühlingsgedicht - Frühlingsbotschaft - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Frühlingsbotschaft

Kuckuck, Kuckuck ruft`s aus dem Wald:
Lasset uns singen,
Tanzen und springen!

Frühling, Frühling wird es nun bald.
Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei'n:
Kommt in die Felder,

Wiesen und Wälder!
Frühling, Frühling, stelle dich ein!
Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!

Was du gesungen,
Ist dir gelungen:
Winter, Winter räumet das Feld.

Kindergedicht - Das Hexen-Einmaleins - Johann Wolfgang von Goethe

Das Hexen-Einmaleins

Du musst verstehn!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei lass gehn,
Und Drei mach gleich,
so bist du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs -
So sagt die Hex -
Mach Sieben und Acht,
So ists vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins,
Das ist das Hexen-Einmaleins!

Herbstgedicht - Der fliegende Robert - Heinrich Hoffmann

Der fliegende Robert

Wenn der Regen niederbraust,
Wenn der Sturm das Feld durchsaust,
Bleiben Mädchen oder Buben
Hübsch daheim in Ihren Stuben. -
Robert aber dachte: Nein!
Das muss draußen herrlich sein! -
Und im Felde patschet er
Mit dem Regenschirm umher.
 
Hui wie pfeift der Sturm und keucht,
Dass der Baum sich niederbeugt!
 
Seht! Den Schirm erfasst der Wind,
Und der Robert fliegt geschwind
Durch die Luft so hoch, so weit;
Niemand hört ihn, wenn er schreit.
An die Wolken stößt er schon,
Und der Hut fliegt auch davon.
 
Schirm und Robert fliegen dort
Durch die Wolken immer fort.
Und der Hut fliegt weit voran,
Stößt zuletzt am Himmel an.
Wo der Wind sie hingetragen,
Ja, das weiß kein Mensch zu sagen.

Sommergedicht - Sommerfrische - Joachim Ringelnatz

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiss,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet. 
Und schmücke den Hut, der dich begleitet, 
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken 
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.

Wintergedicht - A, a, a, der Winter ist da - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

A, a, a, der Winter ist da

A, a, a, der Winter ist da.
Herbst und Sommer sind vergangen,
Winter, der hat angefangen,
A, a, a, der Winter ist da.

E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee.
Blumen blüh´ n an Fensterscheiben,
Sind sonst nirgends aufzutreiben,
E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee.

I, i, i, vergiss die Armen nie.
Hat oft nichts, sich zuzudecken,
Wenn nun Frost und Kält´ ihn schrecken.
I, i, i, vergiss die Armen nie.

O, o, o, wie sind wir alle froh
wenn der Nikolaus wird was bringen
und vom Tannenbaum wir singen
O, o, o, wie sind wir alle froh.

U, u, u, die Teiche frieren zu
hei, nun geht es wie der Wind
übers blanke Eis geschwind
U, u, u, die Teiche frieren zu.

Wintergedicht - Die Frösche - Johann Wolfgang von Goethe

Die Frösche

Ein großer Teich war zugefroren,
die Fröschlein, in der Tiefe verloren,
durften nicht ferner quaken noch springen,
versprachen sich aber, im halben Traum,
fänden sie nur da oben Raum,
wie Nachtigallen wollten sie singen.
Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
nun ruderten sie und landeten stolz
und saßen am Ufer weit und breit
und quakten wie in alter Zeit. 

Kindergedichte - Der Weg zur Schule - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Der Weg zur Schule

Im Winter, wenn es frieret,
Im Winter, wenn es schneit,
Dann ist der Weg zur Schule
Fürwahr noch mal so weit.
 
Und wenn der Kuckuck rufet,
Dann ist der Frühling da,
Dann ist der Weg zur Schule
 Fürwahr noch mal so nah.
 
Wer aber gerne lernet,
dem ist kein Weg zu fern,
Im Frühling wie im Winter
Geh´ ich zur Schule gern.

Kindergedichte - Der Reif - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Der Reif

Der Reif ist ein geschickter Mann:
O seht doch, was er alles kann!
Er haucht nur in den Wald hinein,
Wie ist verzuckert schön und fein
Ein jeder Zweig und Busch und Strauch
Von seinem Hauch!
 
Wie schnell es ihm von Händen geht!
Kein Zuckerbäcker das versteht.
Und alles fein und silberrein,
Wie glänzt es doch im Sonnenschein!
Wär´ alles doch nur Zucker auch
Von seinem Hauch!
 
Doch nein, wir sind schon sehr erfreut,
Dass uns der Reif so Schönes beut.
O Winter, deinen Reif auch gib,
Uns ist auch Augenweide lieb,
Und ohne Duft und Frühlingshauch
Freu´ n wir uns auch.

Sommergedicht - Das Lied der Vögel - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Das Lied der Vögel

Wir Vögel haben's wahrlich gut,
Wir fliegen, hüpfen, singen.
Wir singen frisch und wohlgemut,
Das Wald und Feld erklingen.
 
Wir sind gesund und sorgenfrei,
Und finden, was uns schmecket;
Wohin wir fliegen, wo's auch sei,
Ist unser Tisch gedecket.
 
Ist unser Tagewerk vollbracht,
Dann zieh'n wir in die Bäume,
Wir ruhen still und sanft die Nacht
Und haben süße Träume.
 
Und weckt uns früh der Sonnenschein,
Dann schwingen wir's Gefieder,
Wir fliegen in die Welt hinein
Und singen unsre Lieder.

Wintergedicht - Märztag - Detlev von Liliencron (1844-1909)

Märztag

Wolkenschatten fliehen über Felder,
blau umdunstet stehen ferne Wälder.
 
Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,
kommen schreiend an in Wanderzügen.
 
Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,
überall ein erstes Frühlingslärmen.
 
Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder,
kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.
 
Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen,
wollt´ es halten, musst´ es schwimmen lassen.

Frühlingsgedicht - Frühling - Heinrich Seidel (1842 - 1906)

Frühling

Was rauschet,  was rieselt,  was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!"
Was knospet, was keimet,  was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!"
Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
"Der Frühling, der Frühling!" - Da wusst' ich genug!

Sommergedicht - Schlechtes Wetter - Victor Blüthgen (1844-1920)

Schlechtes Wetter

Liese, es regnet Seile;
Ich sterbe vor Langeweile.
Ich glaube, die Blasen schwimmen dort –
Jetzt regnet´s vier Wochen immer so fort.
Ich sollte der liebe Gott mal sein.
Da gäb es Regen bloß bei Nacht,
und immer wär es Sonnenschein,
wann ich im Bett wär aufgewacht.

Sommgergedicht - Bist du schon auf der Sonne gewesen? - Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Bist du schon auf der Sonne gewesen?

Bist du schon auf der Sonne gewesen?
Nein? – Dann brich dir aus einem Besen
ein kleines Stück Spazierstock heraus
und schleiche dich heimlich aus dem Haus
und wandere langsam in aller Ruh
immer direkt auf die Sonne zu.
So lange, bis es ganz dunkel geworden.
Dann öffne leise dein Taschenmesser,
damit dich keine Mörder ermorden.
Und wenn du die Sonne nicht mehr erreichst,
dann ist es fürs erste Mal schon besser,
dass du dich wieder nach Hause schleichst.

Sommdergedicht - Ausflug - Johannes Trojan (1837-1915)

Ausflug

So grün ist der Wald und die Wiese so bunt,
und Vogelsang schallt über blühendem Grund.
So eng ist die Stube, die Welt ist so weit,
nun Mädel und Bube, nun macht euch bereit!
Der Morgen so hell strahlt über das Feld,
und fahren wir schnell hinein in die Welt,
in den Wald, auf die Flur, auf die Berge.

Sommergedicht - Kindersand - Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Kindersand

Das Schönste für Kinder ist Sand.
Ihn gibt´s immer reichlich.
Er rinnt unvergleichlich
zärtlich durch die Hand.
Weil man seine Nase behält,
wenn man auf ihn fällt,
ist er so weich.
Kinderfinger fühlen,
wenn sie in ihm wühlen,
nichts und das Himmelreich.
Denn kein Kind lacht
über gemahlene macht.

Sommergedicht - Die Schaukel - Heinrich Seidel ( 1842-1906)

Die Schaukel

Wie schön sich zu wiegen,
die Luft zu durchfliegen
am blühenden Baum!
Bald vorwärts vorüber,
bald rückwärts hinüber –
es ist wie ein Traum!
Die Ohren, sie brausen,
die Haare, sie sausen
und wehen hintan!
Ich schwebe und steige
bis hoch in die Zweige
des Baumes hinan.
Wie Vögel sich wiegen,
sich schwingen und fliegen
im luftigen Hauch:
Bald hin und bald wider,
hinauf und hernieder,
so fliege ich auch!

Sommergedicht - Ellengröße - Abraham Emanuel Fröhlich (1796-1865)

Ellengröße

Die Pappel spricht zum Bäumchen:
Was machst du dich so breit
mit den geringen Pfläumchen?
Es sagt: Ich bin erfreut,
dass ich nicht bloß ein Holz,
nicht eine leere Stange!
Was! Ruft die Pappel stolz.
Ich bin zwar eine Stange,
doch eine lange, lange.

Kindergedicht - Die fünf Hühnerchen - Victor Blüthgen (1844-1920)

Die fünf Hühnerchen

Ich war mal in dem Dorfe,
da gab es einen Sturm.
Da zankten sich fünf Hühnerchen
um einen Regenwurm.
Und als kein Wurm mehr war zu sehn,
da sagten alle: Piep!
Da hatten die fünf Hühnerchen
einander wieder lieb.

Kindergedicht - Das eigensinnige Schwein - Johannes Trojan (1837-1915)

Das eigensinnige Schwein

Das Schwein, das Schwein, das steckt so recht
voll Trotz und Eigensinn.
Wohin man´s gerne haben möchte,
da will´s durchaus nicht hin.
Drum, soll es vorwärts, zieht man fein
am Schwänzlein es zurück;
Und dass ein Schwänzlein ist am Schwein,
das ist ein wahres Glück.

Sommergedicht - Hasensalat - Johannes Trojan (1837-1915)

Hasensalat

Morgens in den Garten trat
Liese, klein und niedlich.
Saß ein Häslein im Salat,
schmaust und tat sich gütlich.
Liese sprach: Du armes Tier,
wart einmal, indes ich
lauf ins Haus und hole dir
zum Salat den Essig.
Kommt zurück schon mit dem Krug.
Niemals lief sie schneller –
Essig gießt sie jetzt genug
auf den Hasenteller.
Lieselchen, ich danke dir,
sprach der kleine Fresser.
Eigentlich doch schmeckt es mir
ohne Essig besser.

Fingerspiel - Wie tanzen die Mücken? - Heinrich Hoffmann v. Fallersleben (1789-1874)

Wie tanzen die Mücken?

Dideldum!
Summ, summ, summ!
Das ist zum Entzücken!
Wie tanzen die Mücken,
die schnellen Gesellen,
so leise im Kreise,
so wohlig, so munter,
hinauf und herunter.
Dideldum, dideldum!
Summ, summ!
Immer herum,
dideldum!
Immer herum,
summ, summ!

Herbstgedicht - Herbst - Detlev von Liliencron (1844-1909)

Herbst

Astern blühen schon im Garten,
schwächer trifft der Sonnenpfeil
Blumen, die den Tod erwarten
durch des Frostes Henkerbeil.
Brauner dunkelt längst die Heide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
unbewegt im blauen Duft.
Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.

Auch die alten Klassiker sind wichtig. Falls dir noch Gedichte fehlen, gib uns gerne Bescheid.